Was ist PBFD?

PBFD ist die Abkürzung für „Psittacine Beak and Feather Disease“, die „Schnabel- und Federkrankheit der Papageien“. Diese durch ein Circovirus hervorgerufene Krankheit tritt inzwischen weltweit auf und verursacht Wachstumsstörungen des Schnabelhorns, der Federn und der Krallen. Am häufigsten sind Kakadus betroffen, doch ist die Erkrankung inzwischen bei allen papageienartigen Vögeln - auch bei wildlebenden Tieren – dokumentiert.
Fachleute gehen davon aus, dass dieses Virus weiter verbreitet ist als allgemein angenommen wird. Man kann wohl davon ausgehen, dass inzwischen ca. 60% aller in Deutschland lebenden Wellensittiche bereits mit dem Virus in Kontakt geraten sein dürften.

Wie verläuft die Ansteckung?

Das Virus wird von Vogel zu Vogel über den Kot, den Federstaub und beim gegenseitigen Füttern übertragen.
Die Ansteckungsgefahr über Federstaub wurde in der Vergangenheit oft maßlos übertrieben: Es hieß, Halter von PBFD-positiven Vögeln dürften auf gar keinen Fall andere Vogelhalter besuchen oder umgekehrt, weil sie damit das Virus einschleppen würden. Heute weiß man, dass eine Ansteckung über den Menschen bei normaler Körper- und Wäschehygiene quasi unmöglich ist.

Wie sieht PBFD aus?

Wie Erfahrungen von Wellensittich-Haltern aus den letzten Jahren zeigen, können Wellensittiche auf eine Infektion mit PBFD auf drei unterschiedliche Arten reagieren:
  1. Die Vögel erkranken akut
    Akute Erkrankungen treten meist bei Nestlingen und nestjungen Vögeln auf, deren Immunsystem noch nicht fertig ausgebildet ist und dem Virus daher nichts entgegensetzten kann. Neben allgemeiner Abgeschlagenheit, Fressunlust, Erbrechen und/oder Durchfall ist die Krankheit vor allem durch die Veränderungen der sich heranbildenden Federn gekennzeichnet. Die einzelnen Federn bleiben im Federschaft stecken, brechen leicht unter Blutungen ab oder fallen symmetrisch aus. Es gibt auch immer mal Fälle bei denen die Vögel innerhalb weniger Tage sterben.
  2. Die Vögel erkranken chronisch
    Diese Form der Erkrankung tritt meist bei Wellensittichen im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren auf. Das Immunsystem dieser Vögel ist fertig ausgebildet und kann nach der Infektion das Virus in Schach halten. Die Vögel erscheinen gesund, sind munter und sehen ganz normal aus. Doch sie tragen das Virus in sich und können andere Vögel damit anstecken.
    Bei einer Schwächung des Immunsystems z.B. durch mangelhafte Ernährung, Stress, Tabakrauch, oder Ähnlichem kann die Krankheit dann ausbrechen. Der chronische Verlauf beginnt meist mit Federverlust als erstem Symptom, wobei sich der Federverlust von Mauser zu Mauser schubweise verschlimmert. Als weiteres Symptom kommt es in manchen Fällen zu Veränderungen des Schnabels. Hier kann ein vermehrtes Längenwachstum beobachtet werden. Mit Fortdauer der Erkrankung wird das Schnabelhorn zunehmend brüchiger, wodurch es zur Ausbildung von Rissen und teilweise zum Abbrechen des Schnabels kommen kann. Bei manchen Vögeln können auch Krallenveränderungen auftreten. Durch die fortlaufende Schwächung des Immunsystems kann es dann zu Sekundärinfektionen kommen, die – im fortgeschrittenen Stadium, wenn der Vogel fast nackt ist – besonders die Haut betreffen. Die betroffenen Vögel sterben schließlich an diesen Sekundärinfektionen.
    Die Erfahrung vieler Halter von PBFD-positiven Wellensittichen zeigt jedoch, dass man mit einer artgerechten Haltung und vitaminreichen Ernährung der Vögel ihr Immunsystem oftmals soweit unterstützen kann, dass es gar nicht zum Ausbruch der Krankheit kommt.
    Die hier zu vermittelnden Vögel sind zwar durch Stichproben positiv auf das Virus getestet, zeigen jedoch kaum bis keine Anzeichen der Krankheit. Das einzige Merkmal das die zu vermittelnden Vögel aufzeigen sind kleinere, kaum merkbare Lücken im Großgefieder. Keiner der Vögel weist einen Schaden im Kleingefieder auf. Diese Vögel bringen damit gute Voraussetzungen mit, der nächsten Kategorie anzugehören bzw. durch gute Pflege in diese zu überzugehen.
  3. Die Vögel werden immun
    Ist ein Wellensittich zum Zeitpunkt der Infektion älter als drei Jahre oder wird er – wie gerade beschrieben – gut und artgerecht gehalten und ernährt, dann ist sein Immunsystem so stark, dass es mit dem Virus fertig wird. Diese Wellensittiche erkranken nur noch sehr selten an PBFD. Viele bilden Antikörper aus und werden immun – und können ein ganz normales Wellensittich-Leben führen.

Was tun bei Verdacht auf PBFD?

Die Diagnose ist einfach: Eine Federuntersuchung in einem Labor bringt innerhalb weniger Tage Klarheit. Trotzdem werden solche Untersuchungen nicht häufig veranlasst, vor allem bei kleinen Vögeln wie dem Wellensittich. Meist wird der rätselhafte Federverlust mit anderen Erkrankungen wie Rupfen, Vitamin- oder Mineralstoffmangel, Hormonstörungen, Pilzinfektionen etc. erklärt.
Grundsätzlich darf man nicht vergessen: alle diese Erkrankungen können tatsächlich das gleiche Bild wie PBFD hervorrufen. Ein zerrupft aussehender Wellensittich hat nicht immer PBFD – aber Sicherheit bringt letztendlich nur der Virusnachweis!

Behandlungsmöglichkeiten

PBFD ist nicht heilbar. Derzeit ist keine Behandlungsmöglichkeit bekannt, allerdings gibt es Berichte aus Australien über einen Impfstoff gegen PBFD. In wie weit diese Berichte jedoch den Tatsachen entsprechen ist unklar.
Die einzige Maßnahme, die betroffene Vogelhalter bis dahin ergreifen können, ist die Stärkung des Immunsystems ihrer Wellensittiche durch eine artgerechte und ausgewogene Ernährung, viel Frisch- und Grünfutter, sowie zusätzliche Vitamin- und Mineralstoffgaben.
Einige vogelkundige Tierärzte haben chronisch an PBFD erkrankte Vögel mit Interferon behandelt – oftmals mit Erfolg. Die Erfahrungen die anhand dieser Vögel gewonnen wurden, machen Hoffnung, doch bisher handelt es sich nur um Einzelfälle. Ob diese Art der Behandlung wirklich Erfolg versprechend ist, muss noch abgewartet werden.

Positiver PBFD-Test – was nun?

Auch für PBFD-positive Wellensittiche ist das Leben lebenswert, besonders dann, wenn die Krankheit nicht ausbricht. Auch zeigt die Erfahrung, dass immer mehr Wellensittiche mit dem Virus fertig werden und nicht erkranken. Es gibt sogar Berichte über Vögel, die sich von einer PBFD-Erkrankung wieder erholt haben und gesund wurden.
Grundsätzlich sollte PBFD nicht von der Haltung der liebenswerten kleinen Sittiche abschrecken. Allerdings sollte der Halter ein paar einfache Vorsichtsmaßnahmen beachten:
  • Die infizierten Wellensittiche sollten keinen Kontakt zu anderen Krummschnäbeln haben, wenn diese Krummschnäbel kein PBFD haben.
  • Während des Urlaubs sollten die Vögel am besten zu Hause betreut werden. Ist dies nicht möglich, sollte man die Urlaubsbetreuung auf PBFD ansprechen und darüber informieren.
  • Vor Kontakt mit anderen Vogelhaltern oder gar Vögeln sollte man duschen und frische Kleidung anziehen – was eigentlich gar nicht groß betont werden muss, denn schließlich macht sich jeder frisch, wenn er auf Besuch gehen will.
Sollten Sie noch Fragen zum Thema PBFD oder zu den Vermittlungsvögeln haben, können Sie sich gern an uns wenden. Bitte schreiben Sie uns über das „Kontakformular“ eine kurze E-Mail – wir werden uns so rasch wie möglich bei Ihnen melden.

Ihr
Vögel in Not e.V.